12V Linear Netzteil mit Blick vorne

12V Linear Netzteil: Der Klangturbo für Fosi Audio ZD3, K7 oder P4 im Test

Das unschein­ba­re Kraft­pa­ket hin­ter jedem audio­phi­len Set­up ist meist ein The­ma, das selbst unter Enthu­si­as­ten zu wenig Beach­tung fin­det: die Strom­ver­sor­gung. Dabei kann ein hoch­wer­ti­ges Netz­teil den ent­schei­den­den klang­li­chen Unter­schied machen, wenn es dar­um geht, aus dei­ner HiFi-Ket­te das Maxi­mum her­aus­zu­ho­len. Beson­ders linea­re Netz­tei­le haben in der audio­phi­len Welt einen legen­dä­ren Ruf erlangt – und genau des­halb habe ich mich mit einem 12V 3A Line­ar Netz­teil mit R‑Core Trans­for­ma­tor von Ali­Ex­press befasst, das an den Fosi Audio ZD3, K7 und P4 getes­tet wurde.

Trans­pa­renz­hin­weis: Das in die­sem Test vor­ge­stell­te Netz­teil wur­de mir kos­ten­los vom Her­stel­ler zur Ver­fü­gung gestellt. Dies hat jedoch kei­nen Ein­fluss auf mei­ne ehr­li­che Bewer­tung des Produkts.

Lineare Netzteile: Der heimliche Klangveredler im HiFi-Setup

Bevor wir zum eigent­li­chen Test­pro­dukt kom­men, lohnt sich ein kur­zer Exkurs in die Welt der Strom­ver­sor­gun­gen. Die meis­ten Audio­ge­rä­te wer­den stan­dard­mä­ßig mit kos­ten­güns­ti­gen Schalt­netz­tei­len aus­ge­lie­fert, die zwar effi­zi­ent und kom­pakt sind, aber oft erheb­li­che klang­li­che Nach­tei­le mit sich bringen.

Schalt­netz­tei­le (SMPS – Swit­ched Mode Power Sup­p­ly) arbei­ten mit hohen Schalt­fre­quen­zen und wan­deln die Netz­span­nung durch schnel­les Ein- und Aus­schal­ten in die gewünsch­te Gleich­span­nung um. Dies erzeugt unver­meid­lich hoch­fre­quen­te Stö­run­gen und eine gewis­se Rest­wel­lig­keit, die sich nega­tiv auf die Klang­qua­li­tät aus­wir­ken können.

Linea­re Netz­tei­le hin­ge­gen funk­tio­nie­ren nach einem deut­lich simp­le­ren Prin­zip: Die Netz­span­nung wird durch einen Trans­for­ma­tor her­un­ter­ge­setzt, gleich­ge­rich­tet und gefil­tert. Ohne hoch­fre­quen­te Schalt­vor­gän­ge lie­fern sie eine deut­lich sau­be­re­re, rausch­är­me­re Gleich­span­nung. Der Nach­teil: Sie sind grö­ßer, schwe­rer und in der Her­stel­lung teu­rer. Doch für audio­phi­le Anwen­dun­gen sind die­se Nach­tei­le oft ein klei­ner Preis für den klang­li­chen Gewinn.

Ein ent­schei­den­der tech­ni­scher Para­me­ter ist dabei die Rest­wel­lig­keit – also die ver­blei­ben­de Wech­sel­span­nungs­kom­po­nen­te auf der erzeug­ten Gleich­span­nung. Bei ein­fa­chen Ste­cker­netz­tei­len kann die­se bei erschre­cken­den 0,7V (Peak-to-Peak) lie­gen, wäh­rend hoch­wer­ti­ge linea­re Netz­tei­le Wer­te von unter 0,01V errei­chen. In der Pra­xis resul­tiert dies in einem ruhi­ge­ren, detail­lier­te­ren Klang­bild mit prä­zi­se­rer Büh­nen­ab­bil­dung und weni­ger Verzerrungen.

R‑Core vs. Ringkern: Warum die Trafo-Technologie entscheidend ist

Bei line­ar Netz­tei­len spielt der ver­bau­te Trans­for­ma­tor eine zen­tra­le Rol­le für die Qua­li­tät der erzeug­ten Span­nung. Das hier getes­te­te Netz­teil setzt auf einen R‑Core Trans­for­ma­tor – eine Tech­no­lo­gie, die beson­ders in der audio­phi­len Sze­ne geschätzt wird.

R‑Core Trans­for­ma­to­ren (manch­mal auch als “R‑Kern” bezeich­net) erkennt man an ihrem cha­rak­te­ris­ti­schen ova­len Kern, bei dem die Wick­lun­gen neben­ein­an­der lie­gen. Im Ver­gleich zu den eben­falls belieb­ten Ring­kern­tra­fos bie­ten sie eini­ge spe­zi­fi­sche Vorteile:

Ein R‑Core Tra­fo arbei­tet hoch­ef­fi­zi­ent und pro­du­ziert ein extrem gerin­ges magne­ti­sches Streu­feld. Das redu­ziert die Ein­streu­ung in emp­find­li­che Audio­schal­tun­gen und sorgt für eine sehr gerin­ge Brumm­nei­gung. Nicht ohne Grund set­zen Pre­mi­um-Her­stel­ler wie Sony, Cary Audio und Pana­so­nic bei ihren High-End-Model­len auf die­se Technologie.

Ring­kern-Trans­for­ma­to­ren gel­ten im Ver­gleich dazu als etwas “sprit­zi­ger” im Klang­cha­rak­ter, wäh­rend R‑Core Tra­fos eine “inne­re Ruhe” ins Klang­bild brin­gen. Ein wei­te­rer tech­ni­scher Vor­teil: Die Kapa­zi­tät zwi­schen Pri­mär- und Sekun­där­wick­lung liegt bei R‑Core Tra­fos meist bei nur 60–100 pF, was die Über­tra­gung von Netz­stö­run­gen reduziert.

Tra­di­tio­nel­le EI-Kern-Trans­for­ma­to­ren, wie sie in güns­ti­ge­ren Gerä­ten ver­baut wer­den, schnei­den im Ver­gleich klang­lich meist deut­lich schlech­ter ab.

Unboxing und erster Eindruck: Solide Verarbeitung mit kleinen Schönheitsfehlern

Das Netz­teil kommt in einer schlich­ten Ver­pa­ckung, die alle wesent­li­chen Infor­ma­tio­nen ent­hält. Im Lie­fer­um­fang befin­det sich neben dem eigent­li­chen Netz­teil auch ein 12V-Anschluss­ka­bel für die Ver­bin­dung mit den zu ver­sor­gen­den Audio­ge­rä­ten. Was fehlt, ist ein Kalt­ge­rä­te­ste­cker zum Anschluss ans Strom­netz – hier muss man ent­we­der ein vor­han­de­nes Kabel ver­wen­den oder eines sepa­rat erwerben.

Das Gehäu­se selbst macht einen äußerst soli­den Ein­druck mit sei­ner voll­stän­di­gen Metall­kon­struk­ti­on, die effek­tiv zur Abschir­mung bei­trägt. Die Ver­ar­bei­tung ist makel­los und ver­mit­telt das Gefühl eines Pre­mi­um-Pro­dukts. Mit sei­nem recht­ecki­gen Design und den abge­run­de­ten Kan­ten fügt es sich optisch gut in die meis­ten HiFi-Umge­bun­gen ein.

Ein Blick ins Inne­re offen­bart hoch­wer­ti­ge Kom­po­nen­ten: Elna- und Nichi­con-Kon­den­sa­to­ren, die für ihre Lang­le­big­keit und klang­li­che Neu­tra­li­tät bekannt sind, sor­gen für eine sta­bi­le Strom­ver­sor­gung. Die­se Aus­wahl unter­streicht, dass es sich hier nicht um ein Mas­sen­pro­dukt, son­dern um eine durch­dach­te audio­phi­le Lösung handelt.

An der Front befin­det sich ein digi­ta­les Dis­play, das die aktu­el­le Aus­gangs­span­nung anzeigt – ein nütz­li­ches Fea­ture zur Über­wa­chung, aller­dings mit einem klei­nen Wer­muts­trop­fen: Die blaue LED-Anzei­ge ist aus­ge­spro­chen hell und kann in dunk­le­ren Umge­bun­gen regel­recht blen­den. Hier wäre eine Dimm­funk­ti­on wün­schens­wert gewesen.

Technische Spezifikationen und Praxiseinsatz

Mit sei­ner Aus­gangs­leis­tung von 12V bei bis zu 3A (also 36W) bie­tet das Netz­teil aus­rei­chend Reser­ven für die meis­ten DACs, Vor­ver­stär­ker und klei­ne­re Voll­ver­stär­ker. Die Strom­ka­pa­zi­tät von 3A ist dabei groß­zü­gig bemes­sen – vie­le ver­gleich­ba­re Model­le wie der Keces P3 oder Sboos­ter blei­ben bei 3A oder darunter.

Im prak­ti­schen Betrieb zeigt sich eine ange­neh­me Eigen­schaft: Das Netz­teil wird selbst nach stun­den­lan­gem Dau­er­ein­satz nur mäßig warm. Im Gegen­satz zu manch ande­ren linea­ren Netz­tei­len, die regel­recht Hit­ze ent­wi­ckeln kön­nen, bleibt hier die Betriebs­tem­pe­ra­tur in einem sehr mode­ra­ten Bereich. Dies spricht für ein effi­zi­en­tes Design und hoch­wer­ti­gen Kom­po­nen­ten mit aus­rei­chen­der Dimensionierung.

Ein wei­te­res tech­ni­sches High­light ist das gerin­ge Rau­schen: Die spe­zi­ell für audio­phi­le Anwen­dun­gen opti­mier­te Fil­te­rung sorgt für eine beson­ders sau­be­re Gleich­span­nung mit mini­ma­ler Rest­wel­lig­keit, was sich direkt in ver­bes­ser­ter Klang­qua­li­tät niederschlägt.

Der Klangtest mit Fosi Audio ZD3, K7 und P4

Für den prak­ti­schen Test habe ich das Netz­teil an drei ver­schie­de­nen Fosi Audio Gerä­ten aus­pro­biert, die alle mit 12V betrie­ben wer­den. Die Refe­renz­play­list mit Tracks wie Lor­na Shore (Pain Remains I: Dancing Like Fla­mes), Kno­cked Loo­se (Deep in the Wil­low) und Brand of Sacri­fice (Pur­ge) dien­te als klang­li­che Basis.

Fosi Audio ZD3 Flagship DAC/Preamp

Der ZD3 ist Fosi Audi­os Flagg­schiff-DAC und Vor­ver­stär­ker mit umfang­rei­cher Aus­stat­tung. Mit sei­nen XLR- und RCA-Aus­gän­gen, digi­ta­len Ein­gän­gen (USB, optisch, koaxi­al, HDMI ARC) und Blue­tooth-Kon­nek­ti­vi­tät bie­tet er zahl­rei­che Anschlussmöglichkeiten.

Im Betrieb mit dem line­ar Netz­teil anstel­le des mit­ge­lie­fer­ten Schalt­netz­teils zeig­ten sich sofort hör­ba­re Ver­bes­se­run­gen. Bei Lor­na Shore’s Pain Remains I: Dancing Like Fla­mes trat die kom­ple­xe Gitar­ren­ar­beit deut­li­cher her­vor, wäh­rend der Death­co­re-Gesang von Will Ramos an Prä­senz und Dich­te gewann. Beson­ders auf­fäl­lig: Die Blast Beats wirk­ten prä­zi­ser und die orches­tra­le Unter­ma­lung ent­fal­te­te eine neue Tie­fe – ein Effekt, der sich kon­sis­tent bei allen getes­te­ten Tracks zeigte.

Fosi Audio K7 DAC

Der K7 als kom­pak­ter Desk­top-DAC für Audio­phi­le und Gam­ing-Enthu­si­as­ten pro­fi­tier­te ähn­lich stark vom Upgrade der Strom­ver­sor­gung. Bei Kno­cked Loo­se’s Deep in the Wil­low konn­te ich eine ver­bes­ser­te Tren­nung der Instru­men­te und ein kla­re­res Her­aus­ar­bei­ten der Break­downs wahr­neh­men. Die räum­li­che Abbil­dung gewann an Prä­zi­si­on, und selbst in dich­ten, dyna­mi­schen Pas­sa­gen blieb der Klang auf­ge­räum­ter und kontrollierter.

Fosi Audio P4 Analoger Vorverstärker

Der P4 ist ein ana­lo­ger Vor­ver­stär­ker mit drei RCA-Ein­gän­gen, der sich ide­al für die Steue­rung meh­re­rer Quel­len eig­net. Im Test zeig­te sich, dass die sau­be­re Strom­ver­sor­gung beson­ders bei der Fein­ab­stim­mung des Klang­bilds ent­schei­dend ist. Bei Zeal & Ardor’s Death to the Holy redu­zier­te sich das Grund­rau­schen spür­bar, was die aggres­si­ven Gitar­ren­riffs und Gos­pel-Ele­men­te kla­rer von­ein­an­der trenn­te. Die Tone-Con­trol-Bypass-Funk­ti­on des P4 ermög­lich­te zudem eine unver­fälsch­te Wie­der­ga­be, die von der sta­bi­len Span­nung profitierte.

Klangliche Beobachtungen im Detail

Über alle drei Test­ge­rä­te hin­weg lie­ßen sich eini­ge kon­sis­ten­te klang­li­che Ver­bes­se­run­gen durch den Ein­satz des linea­ren Netz­teils feststellen:

  1. Ruhi­ge­res Klang­bild: Die oft beschrie­be­ne “inne­re Ruhe” des R‑Core Netz­teils war deut­lich wahr­nehm­bar. Bei Lor­na Shore’s To the Hell­fi­re wirk­te das Klang­bild ent­spann­ter, ohne die Inten­si­tät des Tracks zu schmälern.
  2. Ver­bes­ser­te Bass­wie­der­ga­be: Die Bäs­se gewan­nen an Kon­trol­le, wie bei Brand of Sacri­fice’s Pur­ge, wo die Dou­ble-Bass-Parts nun ein sta­bi­le­res Fun­da­ment bildeten.
  3. Grö­ße­re Büh­ne: Die räum­li­che Abbil­dung gewann an Brei­te, beson­ders bei Sep­tic­f­le­sh’s Anu­bis (Live), wo die orches­tra­len Ele­men­te kla­rer posi­tio­niert waren.

Preis-Leistungs-Verhältnis und Vergleich mit Alternativen

Mit einem Preis von etwa 100 Euro posi­tio­niert sich das getes­te­te line­ar Netz­teil im mitt­le­ren Seg­ment. Ver­gleich­ba­re Model­le von Pre­mi­um­her­stel­lern wie Keces (P3) oder Sboos­ter kön­nen leicht das Zwei- bis Drei­fa­che kos­ten, bie­ten aber nicht zwangs­läu­fig bes­se­re tech­ni­sche Spezifikationen.

Fazit: Ein lohnenswertes Upgrade für anspruchsvolle Ohren

Nach aus­gie­bi­gen Tests mit drei unter­schied­li­chen Fosi Audio Kom­po­nen­ten kann ich das 12V 3A Line­ar Netz­teil mit R‑Core Trans­for­ma­tor unein­ge­schränkt emp­feh­len. Es reprä­sen­tiert eines der sinn­volls­ten Upgrades im Preis-Leis­tungs-Ver­hält­nis, die man für ein bestehen­des HiFi-Set­up vor­neh­men kann. Wen das line­ar Netz­teil inter­es­siert, kann es sich bei Ali­Ex­press ordern.

* Die Wer­tung bezieht sich immer auf die jewei­li­ge Preisklasse.
Ver­ar­bei­tung
10
Klang
10
Preis
10
10
deca­yed sho­cker points
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